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ES bewegt sich was in den Esslinger Weinbergen

In den Jahren seit 2014 wurden wieder mehr Trockenmauern neu aufgebaut, auch einige Rebflächen werden zurzeit neu bepflanzt. Andererseits sind noch viele Mauern eingestürzt und neue Schäden kommen hinzu. Der Staffelsteiger-Verein e.V. hat sich die finanzielle Förderung der Sanierung und  Wiederherstellung von beschädigten oder eingefallenen Trockenmauern zum Ziel gesetzt. Erste Förderungs-Beihilfen zeigen Wirkung.

Welchen Zweck erfüllen die Trockenmauern?

Zur Terrassierung des steilen Weinbergs – landschaftlich sehr reizvoll. In erster Linie müssen sie den Erddruck des Hanges abfangen und Regenwasser über die Staffeln nach unten ableiten. Bewegt001

Nach welchem Vorbild werden sie gebaut?

Kulturhistorisch gesehen lohnt es sich, die in mühevoller Handarbeit beginnend bereits in der Stauferzeit (11. Jhd.) errichteten Trockenmauern zu erhalten.

Warum sind die Trockenmauern wertvoll?

Sie fungieren als Heizung des Weinbergs: Am Tage wird die Sonnenwärme gespeichert und bis in die späten Nachtstunden wieder abgegeben. Durch die trocken-heißen Bedingungen an der Maueroberfläche einerseits und die kühlen und feuchten Bereiche im Inneren der Mauer andererseits entstehen wertvolle Lebensräume für wärmeliebende Pflanzen-Arten wie Mauerpfeffer, Mauerraute, Milzfarn, Zimbelkraut und Färber-Waid sowie Mauereidechsen, Schlingnattern, viele Insekten, Spinnentiere und Tausendfüßer.

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Wie werden sie gebaut?

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Ganz ohne Mörtel und Beton, denn nur offene Fugen sind ökologisch wertvoll. Eine leichte Schrägstellung von ca. 5 bis 20 % gegen den Berg (“Anlauf”) sowie eine dichte Aneinanderreihung und das Eigengewicht der Mauersteine bringen Stabilität. Wichtig ist ein solides Fundament, das der Mauer Halt gibt: etwa ein Drittel der künftigen Mauerhöhe breit, 40 cm tief. Wichtig ist ein sorgfältig ausgeführtes Hintergemäuer zur Aufnahme des Hangdruckes und als Drainage. Eine zusätzliche Stabilität erzielt man durch Ankersteine, die quer zur Mauerrichtung gelegt werden und in das Hintergemäuer hineinragen. Schichtweise und zeitnah erfolgt das Hinterfüllen mit Erde.

Welche Mauern sind gesetzlich geschützt?

Laut § 32 des Naturschutzgesetzes sind Mauern gesetzlich geschützt, wenn sie mindestens 0,5 m hoch sind und zugleich eine minimale Mauerfläche von 2 qm besitzen, aus naturraumtypischen Steinen, ohne Verwendung von Bindemitteln aufgeschichtet sind.

Wann wird der Mauerbau gefördert?

  • Die Mauer muss fachgerecht ausgeführt sein, ohne Kreuzfugen
  • Schotter / Kies / Geotextilien sind für die Hintergemäuer nicht erlaubt
  • 5 – 10 % Anlauf
  • Das Betonfundament muss versenkt sein, nicht sichtbar
  • Weder die Mauer noch die Hintermauerung darf Mörtel enthalten
  • Nur Steine aus ortsüblichem Sandstein dürfen zugekauft werden

Was wird nicht gefördert?

  • Natursteinmauerwerk vor einer Betonmauer
  • Natursteinmauern, die mit Mörtel verfugt sind
  • Steinkörbe, so genannte “Gabionen”
  • Trockenmauern aus Großblocksteinen oder anderen als dem zugelassenen Natursteinmaterial.

Aufgabe des Staffelsteiger-Vereins:

Durch die Arbeit des Vereins wurde erreicht, dass bereits im Jahr 2014 erstmalig Förderbeiträge vom Landratsamt Esslingen(LRA) und der Stadt Esslingen für die Sanierung und Wiederherstellung von beschädigten oder eingefallenen Trockenmauern zur Verfügung gestellt wurden. Zusätzlich gibt es einen Beitrag aus der Vereinskasse.

Erreichtes bis Ende 2014:

Von über 1000 m² zerstörten Mauern wurden genau 182 m² entsprechend bezuschusst. Je nach Schwierigkeitsgrad der Mauer (höher als 2 m, weite Zugangswege) gibt es einen Fördersatz von insgesamt 250,00 bis 450,00 € /qm Mauer-Ansichtsfläche.

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Erreichtes bis Ende 2015:

Der Staffelsteigerverein freut sich, dass im Jahr 2015 insgesamt 255 m² eingestürzte oder einsturzgefährdete  Trockenmauern wieder fachgerecht neu aufgebaut wurden. Der jeweilige Aufwand konnte anteilig aus Mitteln des Landratsamtes Esslingen, der Stadt Esslingen und der Kasse des Staffelsteigervereins finanziell gefördert werden.

Mauern Programm 2015

Erreichtes bis Ende 2016:

In 2016 wurde der Wiederaufbau von 175 m² Trockenmauern unterstützt. Sehr stolz ist der Verein insbesondere auf die im Rahmen des Workshops Trockenmauerbau errichtete Mauer. Insgesamt kann gesagt werden, dass schon weit über die Hälfte der eingefallenen Mauern wieder aufgebaut wurden.

Hier einige Beispiele, aufgenommen vom Weingut Kusterer:

   

Diese von den Teilnehmern des Workshops Trockenmauerbau im November 2016 errichtete Mauer befindet sich am Weinerlebnisweg zwischen Station 7b (Lebendiges Museum Steillagenweinberg) und Station 8 (Die Wasserquellen der Unteren Neckarhalde), also kurz vor der Staffel, die hinunter zum Felsenweg führt.

Ausblicke:

Leider hat die Stadt Esslingen die Zuschüsse für 2017 gestrichen. Trotzdem wird die Förderung durch den Staffelsteiger-Verein in 2017 noch in vergleichsweiser Größenordnung weitergehen. Dann muss die Finanzsituation neu überprüft werden. Schön wäre es, wenn die Haushaltsmittel beim LRA und auch beim Staffelsteiger-Verein auch darüber hinaus ausreichend zur Verfügung stehen.

Bewegt007Eigenleistung der Weingärtner:

Die Fördersätze für die Erstellung einer Trockenmauer sind bei weitem nicht kostendeckend, deshalb ist auch weiterhin die anspruchsvolle Eigenleistung der Weingärtner gefragt. Fachgerechter Trockenmauerbau mit Naturbausteinen aus Stubensandstein in diesen Steillagen unter extremen Rand-Bedingungen verlangt sowohl handwerkliches Geschick, Fachwissen, praktische Erfahrung sowie auch körperliche Leistungs- und Belastungsfähigkeit.

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Literatur

Skizzen mit freundlicher Genehmigung von Martin Bücheler 2015, www.feldmaurer.de, veröffentlicht in “Bau und Instandhaltung von Naturstein-Trockenmauern in terrassierten Weinbau-Steillagen”, Herausgeber: Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Heidelberg (LVG) in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg (LVWO) und dem Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg (WBI)

“Anhang 1 LPR-Projekt des Landkreises Esslingen: Sanierung und Wiederherstellung von beschädigten oder eingefallenen Trockenmauern”, herausgegeben vom Landratsamt Esslingen

Fotos: Margit Rapp, Claus Hägele, Hans Kusterer, Jörg Schmidt, frankES